Die Reiterin des Expressionismus Marianne von Werefkin, die unvendiertermaßen vergessen wurde

Zurück zur Liste

2017-07-17

Der dritte Tag des Thomas-Mann-Festivals lockte die Gäste mit Malerei, Musik und Kino.

Am Montagnachmittag wurde im Geschichtsmuseum der Kurischen Nehrung die Ausstellung „Reiterin des Expressionismus Mariana Veriovkina“ eröffnet. Laut der Kunstwissenschaftlerin Laima Laučkaitė, die eine Einführung in die Vorstellung gab, ist Marianne von Werefkin eine der ersten Frauen unter den Expressionisten in Europa. Ihr Werk zeichnet sich durch dekorative Züge, durch das Zusammenspiel von knalligen, offenen Farben, durch eine unruhige, dramatische Stimmung und durch mystische Visionen aus. Sie malte figurative Bilder, in denen sie Szenen aus dem Stadtleben sowie Naturlandschaften mit Prozessionen von Menschen darstellte .

„Die berühmte deutsche Malerin vom Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Verbindungen zu Litauen. Sie stammte aus einer Adelsfamilie. Als Tochter eines Generals des zaristischen Russlands genoss sie eine hervorragende Ausbildung und widmete ihr Leben der Kunst. Ihre Kindheit verbrachte Marianne in Litauen. Von 1868 an lebte sie in Vilnius, wo sie auf das Vilniusser Gymnasium ging. 1879 kauften Werefkins Eltern ein Gutshaus im Dorf Vyžuonėlės in der Nähe von Utena und sie gaben ihrem Gut den Namen ‚Blagodat’ (russ. „Segen“). Hier verbrachte Marianne ihre Sommerzeit. Sie ritt und jagte gern und pflegte die Dorfbewohner. Dort fand sie auch ihren Weg zur Malerei. Als sie anfing zu malen, bauten ihr ihre Eltern ein Atelier im Park“, erzählte die Kunstwissenschaftlerin Laučkaitė.

Von München aus kehrte Werefkin immer wieder nach Litauen zurück: 1909–1910 hielt sie sich in Kaunas auf und 1914 in Vilnius, wo ihr Bruder Gouverneur war. Unter den Gemälden der Malerin gibt es viele mit litauischen Motiven: „Die Landstraße“ (1907); „Polizeiposten Wilna“ (1914), „Kirche Sankt Anna in Vilnius“ (1914). Heute wird Werefkins Werk im Gemeindemuseum für moderne Kunst in Ascona (Schweiz) aufbewahrt. Bilder aus diesem Museum werden in der Ausstellung in Nida als Faksimiles präsentiert. In Vyžuonėlės (bei Utena) sind Werefkins Gutsgebäude und ihr Künstleratelier erhalten geblieben. Sie sind aber heute verlassen und fast völlig verfallen, weshalb sich der Mariana Veriovkina-Verein um ihren Erhalt kümmert. Der Verein organisiert seit 2014 jährlich ein internationales Pleinair und ein Symposium, die der Malerin gewidmet sind.

Am Abend erklang in der Evangelischen Kirche Nida ein Konzert, das dem „Jahrhundert der Manns“ gewidmet wurde. Am Anfang des Konzerts wurden die „Drei Stücke für Violoncello und Klavier, Op. 8“ aufgeführt, die 1917 von Paul Hindemith – einem damals noch jungen 23-jährigen Komponisten – verfasst wurden. Die versammelten Gäste hörten auch das Werk Luigi Dallapiccolas „Sonatina Canonica su Capricci di Niccolò Paganini“ für Klavier. Dallapiccola war einer der ersten Italienern, die die Zwölftontechnik einsetzten. Darüber hinaus wurde im Konzert auch das Klaviertrio „Phantasie c-Moll“ von Frank Bridge dargeboten. Robert Grod spielte Cello, Eugenijus Žarskus und Han-Gyeol Lie aus Deutschland spielten Klavier. Der Applaus des Publikums galt nicht nur den o.e. Musikern, sondern auch dem Klaviertrio „Fortvio“, das ebenfalls aufgetreten ist: Indrė Baikštytė (Klavier), Ingrida Rupaitė (Violine) und Povilas Jacunskas (Violoncello).

Am dritten Tag des Thomas-Mann-Festivals begannen auch die vom Goethe Institut präsentierten Kinonächte, die im Kultur- und Tourismusinformationszentrum „Agila“ veranstaltet wurden. In zwei Kinoaufführungen konnten die Zuschauer den ersten animierten Langfilm in der Kinogeschichte „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ sehen, der 1926 von der Regisseurin Lotte Reiniger geschaffen wurde. Der Stummfilm wurde live durch den deutschen Musiker und Multimediakünstler Thomas Köner vertont.